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Polens Anteil an der europäischen KulturÜber Jahrhunderte hinweg, aber vor allem in der Renaissancezeit und Aufklärung, fiel bei uns die westeuropäische Kunst auf ganz besonders fruchtbaren Boden. Dank reger politischer und wirtschaftlicher Beziehungen gelangten auch verhältnismäßig schnell neue Richtungen in der Architektur, Malerei, Literatur, Ornamentik und Musik nach Polen. Viele namhafte ausländische Künstler wurden in Polen ansässig und schufen ihre Werke am Königshof, in den Magnatenpalästen und in den Städten, die damals ihre größte Blüte erlebten. Ihnen verdanken wir prachtvolle Bauten im Stil der Renaissance, des Barocks und Klassizismus, sowie hervorragende Werke der Malerei und Bildhauerei - die heute in vielen Museen zu bewundern sind. Als Polen seine größte Glanzzeit erlebte und noch ein multiethnischer Staat war, verflochten sich hier die Einflüsse der westlichen und östlichen Kultur und es entstanden Werke, welche auf wunderbare Weise diese oft recht gegensätzlichen Traditionen miteinander vereinten. Manche von ihnen gehören für immer zum europäischen Kulturerbe. Ende des 18. Jahrhunderts und das gesamte 19. Jahrhundert hindurch stand Polen unter Fremdherrschaft, und viele herausragende Künstler waren gezwungen das Land zu verlassen. Sie emigrierten nach Westeuropa und bereicherten die neue Heimat mit der viele Jahrhunderte alten Tradition der polnischen Kultur. Der berühmteste von ihnen war der weltbekannte polnische Komponist Frédéric Chopin, der 1810 auf dem Landgut in Żelazowa Wola zur Welt kam. Żelazowa Wola liegt ca. 50 km von Warschau entfernt. In dem romantischen Gutshaus ist das Museum des Komponisten eingerichtet, und sonntags werden dort Klavierkonzerte ausgetragen. In der nahegelegenen Ortschaft Brochów befindet sich die Kirche, in der Frédéric Chopin getauft wurde (die diesbezügliche Eintragung ist bis heute erhalten). Bevor der zukünftige Komponist im Alter von 20 Jahren Polen für immer verließ, verbrachte er die meiste Zeit in Warschau, wo er sich bildete und oft Konzerte gab. Die mit dem Leben und dem Schaffen Chopins verbundenen Orte werden von den Touristen besonders gern besucht. Im Warschauer Ostrogski-Schloss, dem Sitz der Frédéric-Chopin-Gesellschaft, ist ebenfalls ein Museum des Komponisten zu besichtigen. In der Kirche des Heiligen Kreuzes befinden sich ein Epitaph und die Urne mit dem Herzen Chopins (seine sterbliche Hülle ruht auf dem Pariser Friedhof Pére-Lachaise). Die Spur des Komponisten führt nicht zuletzt auch in den Warschauer Łazienki-Park mit dem Chopin- Denkmal im Jugendstil, wo sonnatags Klavierkonzerte gegeben werden. Alle fünf Jahre findet in Warschau der Internationale Chopin-Wettbewerb statt. In der Emigration schufen ebenfalls die beiden größten polnischen Dichter Adam Mickiewicz und Juliusz Słowacki. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts offenbarte sich in Polen das literarische Talent von Bolesław Prus, Henryk Sienkiewicz und Józef Ignacy Kraszewski. Henryk Sienkiewicz war der erste polnische Schriftsteller, der mit dem Nobelpreis (1905) geehrt wurde. Ihm verdanken wir solche herausragende historische Werke wie den Roman „Quo vadis”, der in viele Sprachen übersetzt wurde und ein wahrer Weltbestseller geworden ist. 1924 erhielt Władysław Reymont, für sein Werk „Die Bauern” den Nobelpreis. Zu den polnischen Nobelpreisträgern gehören ebenfalls Czesław Miłosz (1980) und Wisława Szymborska (1996). Aber auch das jüngste polnische Kulturschaffen hat seine herausragenden Vertreter. Außer den bereits genannten Nobelpreisträgern sind die Namen der Komponisten Krzysztof Penderecki und Witold Lutosławski sowie der Filmregisseur Andrzej Wajda in nah und fern bekannt. Die europäische Kultur besteht aus einer bunten Palette mannigfaltiger Reichtümer, an denen jede Nation ihren ganz besonderen Anteil hat. Der Wert dieser über Jahrhunderte hinweg gebildeten Traditionen ist heute, in der Zeit der Globalisierung der Kultur und Verbreitung der Massenkultur, kaum zu unterschätzen.
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